Favoriten, Reformen, Herausforderungen: Was die Fußball WM 2026 prägen wird

Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 wird größer, internationaler und logistisch anspruchsvoller als jedes Turnier zuvor. Erstmals richten mit den USA, Kanada und Mexiko gleich drei Länder gemeinsam eine WM aus und zudem nehmen erstmals 48 Mannschaften teil.

Das Turnier, das vom 11. Juni bis zum 19. Juli stattfinden soll, markiert damit einen Einschnitt in der Geschichte des Wettbewerbs. Die FIFA verspricht mehr globale Teilhabe und eine neue Dimension sportlicher Vielfalt. Kritiker warnen dagegen vor einem aufgeblähten Format und einer weiteren Kommerzialisierung des Spitzenfußballs. Fest steht: Die Weltmeisterschaft in Nordamerika wird das internationale Fußballgefüge verändern.

Fußball WM in 16 Städten

Gespielt wird in 16 Städten, von Mexiko-Stadt über Toronto bis New York. Insgesamt sind 104 Partien vorgesehen (40 mehr als bei der WM 2022 in Katar). Die Mannschaften werden in zwölf Vierergruppen eingeteilt, anschließend erreichen neben den Gruppenersten und Zweiten auch die acht besten Gruppendritten die K.o.-Phase. Dadurch entsteht erstmals ein Sechzehntelfinale bei einer Weltmeisterschaft. Wer den Titel gewinnen will, muss künftig acht statt sieben Spiele absolvieren.

Für Fans und Beobachter bedeutet das zugleich deutlich mehr Spiele und WM Ergebnisse. Gerade in Europa dürfte die zeitliche Belastung erneut Diskussionen auslösen, zumal die Klubkalender bereits heute an ihre Grenzen stoßen. Die FIFA verweist dagegen auf die größere sportliche Repräsentation. Europa erhält künftig 16 Startplätze, Afrika neun direkte Qualifikationsplätze, Asien acht. Das neue Format soll den globalen Charakter des Wettbewerbs stärken und kleineren Fußballnationen Chancen eröffnen.

Die Stunde der Außenseiter?

Wie sich die Kräfteverhältnisse tatsächlich verschieben, wird allerdings erst das Turnier selbst zeigen. Die vergangenen Weltmeisterschaften haben gezeigt, dass die traditionelle Hierarchie im Weltfußball brüchiger geworden ist. Argentiniens Titelgewinn 2022 war zwar der Triumph einer etablierten Fußballnation, doch gleichzeitig erreichten mit Marokko erstmals eine afrikanische Mannschaft das Halbfinale und mit Kroatien erneut ein vergleichsweise kleines Land die Vorschlussrunde. Die WM 2026 könnte diese Entwicklung weiter verstärken.

Und wer sind die WM Favoriten?

Zu den Favoriten zählt erneut Titelverteidiger Argentinien. Auch nach dem Karriereende oder Rückzug mehrerer Führungsspieler bleibt die Mannschaft strukturell stark. Frankreich wiederum verfügt weiterhin über die wohl größte Kadertiefe im Weltfußball. Kaum eine andere Nation kann Ausfälle auf Spitzenniveau ähnlich kompensieren.

Auch Brasilien bleibt trotz wiederkehrender Enttäuschungen ein ernsthafter Kandidat auf den Titel. Die individuelle Qualität im offensiven Bereich ist weiterhin außergewöhnlich hoch, doch zuletzt fehlte es der Seleção häufig an defensiver Balance und strategischer Konstanz in den entscheidenden K.o.-Spielen.

England wiederum hat sich unter Gareth Southgate über Jahre stabilisiert, auch wenn die Kritik am vorsichtigen Spielstil nie ganz verstummte. Die englische Mannschaft besitzt inzwischen internationale Erfahrung auf nahezu allen Positionen und dürfte auch 2026 zu den engsten Favoriten gehören.

Spanien gehört ebenfalls zu den Teams mit realistischen Titelchancen. Die Nationalmannschaft hat nach Jahren des Umbruchs wieder eine klare spielerische Identität entwickelt. Vor allem im Mittelfeld verfügt Spanien erneut über außergewöhnliche technische Qualität und taktische Kontrolle.

Welche Chancen hat Deutschland?

Auch Deutschland reist mit einer offenen Ausgangslage in Richtung WM 2026. Nach den enttäuschenden Turnieren 2018 und 2022 sowie dem frühen Ausscheiden bei mehreren Nations-League-Wettbewerben galt die Nationalmannschaft lange als Mannschaft ohne klare Richtung. Erst die Heim-Europameisterschaft 2024 brachte eine vorsichtige sportliche Stabilisierung.

Bundestrainer Julian Nagelsmann gelang es, die Mannschaft taktisch flexibler und emotional geschlossener auftreten zu lassen. Allerdings bleibt die Frage offen, ob Deutschland inzwischen wieder zur absoluten Weltspitze gehört. Besonders im Zentrum verfügt die Mannschaft wieder über hohe Qualität.

Spieler wie Jamal Musiala oder Florian Wirtz prägen bereits jetzt das Offensivspiel und stehen sinnbildlich für eine Generation technisch starker, kreativer Fußballer. Gleichzeitig fehlt Deutschland in einigen Bereichen weiterhin die internationale Ausnahmeklasse früherer Jahre, etwa auf der klassischen Mittelstürmerposition oder im defensiven Umschaltspiel gegen Topgegner.

Hinzu kommt die ungeklärte Torhüterfrage. Manuel Neuer hatte seine Nationalmannschaftskarriere eigentlich beendet, zuletzt wurden jedoch erneut Spekulationen über eine mögliche Rückkehr diskutiert. Eine eindeutige Lösung scheint derzeit nicht in Sicht.

Entscheidend wird für Deutschland deshalb weniger individuelle Klasse als die mannschaftliche Geschlossenheit sein. Nagelsmann setzt bislang auf variable Systeme, intensives Pressing und hohe technische Präsenz im Ballbesitz.

Mehr Teilnehmer, kleineres Ausscheide-Risiko

Auch das neue WM-Format könnte Deutschlands Chancen beeinflussen. Die größere Zahl an Teilnehmern reduziert kurzfristig das Risiko eines frühen Ausscheidens in der Gruppenphase. Gleichzeitig verlängert sich das Turnier deutlich, was Kaderbreite und physische Belastbarkeit noch wichtiger macht. Gerade Mannschaften mit tief besetzten Aufgeboten dürften davon profitieren.

 

Das neue WM-Format könnte Deutschlands Chancen beeinflussen. Foto: © Danyllo / stock adobe

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